O Gott, lass mich etwas Gutes schreiben

"O lass mich etwas wirklich Guts schreiben, lass mich eine Idee skizzieren und sie ausarbeiten. Hier ist Ruhe und Friede und Pracht, Buschland und Vögel. Von einem Haus in weiter Ferne höre ich Baulärm, und der Ginster macht mich halb verrückt. Lass es ein Gedicht sein. Also los. Ich brenne auf Ideen. Viel Glück, beste Kathie. Das braucht es, und es wird gelingen.

Die Sonne blinzelt inzwischen - freu mich, es wird ein schöner Nachmittag werden. Doch ich bitte dich, lass mich schreiben." (Katherine Mansfileld, 1906)

Katherine Mansfield, eine Weggefährtin von Virginia Woolf oder Aldous Huxley, war eine neuseeländisch-britische Schriftstellerin, die von 1888 bis 1923 lebte. Sie war eine Pionierin der Kurzgeschichte. Der obige Text stammt aus ihren Tagebuchaufzeichungen ("Fliegen, Tanzen, Wirbeln, Beben", Manesse-Verlag, 2018).

 

Mansfields Tagebücher gewähren berührende Einblicke in ihr Leben. Die Einträge reichen von ihrem 12. Lebensjahr bis hin zum Lebensalter als reife und starke Schriftstellerin. Ich freue mich immer, diese kleine  Büchlein mit den feinen Seiten für Mußestunden des Lesen in die Hand zu nehmen.

Zum Schreiben...

Du kennst diese Gedanken, wenn man vor einem Blatt Papier sitzt und nicht weiß, was man eigentlich schreiben möchte? Dabei den Anspruch hat, originell, klug, witzig und spannend zu schreiben, die Weisheit der Welt auf ein paar Seiten packen möchte und der stilistische Ausdruck natürlich perfekt sein muss?

Wie wäre es mit einem Schreib-Versuch einer short-short-story,

einer Kürzestgeschichte...

Bei der Kürzestgeschichte handelt es sich um eine Gattung, die sich aus der Kurzgeschichte entwickelt hat. Das wesentliche Merkmal der Kürzestgeschichte ist - wie der Name verrät - die Kürze. Das können 10 Wörter oder 2-3 Seiten Text sein. Dabei erfüllt sie nicht, wie die Kurzgeschichte, den Anspruch auf Allgemeingültigkeit des Einzelfalles, sondern sie kann verschiedene Stilmerkmale aufweisen.

Oft wird dabei der Erzählstrang nur angedeutet oder es handelt sich um Schilderungen eines momentanen Eindrucks oder Gedankens. Orte, Zeit, Personen können skizziert und offen angedeutet sein.

Hier einige Besipiele für Kürzestgeschichten:

 

For sale: Baby shoes, never worn. E. Hemingway

 

Verlockendes Angebot. Muss ablehnen. Immer noch gelähmt. Richard Ford

 

Dann holte er tief Atem und hielt ihn für seine Verhältnisse unverhältnismäßig lange an. Dann starb er - rasch und ohne Aufhebens davon zu machen. F. Scott Fitzgerald

Schreib-Anregungen

Hier erhältst du einige Anregungen, die dir vielleicht beim eigenen Schreiben weiterhelfen:

 

Such dir ein Thema, über das du schreiben möchtest:

das deine Aufmerksamkeit erregt, das dich erheitert, berührt, in Rage versetzt oder das einfach spontan auftaucht.

 

Nun kannst du dieses Thema mittels "Freewriting" umkreisen: Schreib 10 Minuten einfach drauf los, was dir zu diesem Thema einfällt - ohne innere Zensur. Das kannst du einmalig machen oder öfter, auch vertiefend, wiederholen.

 

Du kannst auch einen "Cluster" (nach G.L. Rico) erstellen: zu deinem Ausgangsthema lässt du Assoziationsketten entstehen. So kommst du entweder zu einem Schreibimpuls oder du kannst einzelne Wörter der Kette als Anregung verwenden und in einen Text einfließen lassen.

 

Geh auf die Straße, in ein Lokal, ein Geschäft: beobachte die Leute. Du kannst deine Beobachtungen notieren oder in ein Diktiergerät oder ins Handy sprechen.

 

Setz dich in den Wald, in den Park... höre, rieche, ... und schreib deine Wahrnehmungen auf, möglichst genau, möglichst echt, möglichst direkt.

 

Die Welt steht dir offen - lass deiner Kreativität freien Lauf.

Um dich nicht zu überfordern, werde ich im nächsten Beitrag mehr zum Thema Kurzgeschichten schreiben.

 

Eines ist beim Schreiben auch immer wichtig: Pausen machen, Texte liegen lassen, wieder zur Hand nehmen, weiterarbeiten, vor allem aber: die Lust behalten.

 

Ich freu mich auf das nächste Mal :)